Hermann Keller: »Konzert für Klavier und 13 Instrumentalisten« (2006) [Soundspot]

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[DE] Im Prenzlauer Berg in der Rykestraße 40 im 3. Stock hat der 2018 verstorbene Komponist und Pianist Hermann Keller viele Jahre gelebt. Das »Konzert für Klavier und 13 Instrumentalisten« gehört sicherlich zu seinen wichtigsten Werken der letzten 20 Jahre. In der Aufnahme spielt Hermann Keller selbst den Part des Solo-Klaviers.

Im »Scherzo I« diktiert das Klavier den rhythmisch-klanglichen Puls des Satzes. Trommel-Rhythmen in den traditionellen Tänzen der Wapangwa, Rudewa-Distrikt (Tansania), sind Triebmomente des Stücks. Allmählich gewinnen die Instrumentengruppen mehr und mehr Raum, weiten ihren Spiel-Horizont aus. Nach und nach löst sich der ursprüngliche Rhythmus auf und der Satz endet in freiem Musizieren ohne Metrum – gemäß dem Diktum Hermann Kellers: »Wer sich nicht in die Nähe der Grenzen wagt, wer sich ängstlich bemüht, in der Mitte zu bleiben, der wird sich nicht dort, nicht im Zentrum seiner selbst wiederfinden, sondern abseits irgendwo hingeworfen an einen zufälligen Ort.«

Hermann Keller: »Konzert für Klavier und 13 Instrumentalisten« (2006), daraus: Scherzo I | für Solo-Klavier, Ensemble (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Horn, Posaune, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Schlagzeug)

Hermann Keller wurde 1945 in Zeitz, Sachsen-Anhalt, geboren. Im Alter von 6 Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht und begann mit 14 Jahren zu komponieren. Von 1963 bis 1968 studierte er an der Franz-Liszt-Hochschule Weimar Komposition bei Johann Cilenšek und Klavier bei Ingeborg Herkomer. Eine Aspirantur und Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin schlossen sich an. Ab 1971 arbeitete er regelmäßig mit Jazzmusikerinnen zusammen. Sein Berliner Improvisations-Quartett bzw. -Trio erreichte internationale Bekanntheit. Es entstanden zahlreiche Improvisationsmodelle und Kompositionen mit Improvisationsanteilen. Ab 1981 war Hermann Keller freischaffend als Komponist, Pianist und Improvisationsmusiker tätig. Er unterrichtete Musiktheorie und Improvisation an der Freien Musikschule Musikhaus e. V. in Berlin, die er 1990 mitbegründete. Seine Kompositionen wurden u. a. im Gewandhaus zu Leipzig, im Künstlerhaus Boswil, bei der Musikbiennale Berlin, den Berliner Festwochen, der Klangwerkstatt Mannheim, dem MDR Musiksommer, dem Ultraschall-Festival Berlin, den Rheinsberger Musiktagen und dem Forum neuer Musik des Deutschlandfunks aufgeführt. Zu den Interpretinnen seiner Werke zählen das Sinfonieorchester Jena, die Hallische Philharmonie, das Ensemble Modern, das Kammerensemble Neue Musik Berlin, das ensemble mosaik, das modern art sextet, Ensemble United Berlin und das Ensemble Chronophonie sowie Heinz Holliger, Steffen Schleiermacher, Ingo Metzmacher und Vinko Globokar. Zahlreiche seiner Kammermusik- und Orchesterkompositionen sind auf CD erschienen.

Hermann Keller starb 2018 in Berlin. Sein Gesamtwerk ist bei der Edition Juliane Klein, Berlin, verlegt.


[EN] Even though the remains of the Berlin Wall, such as those still visible on Bernauer Strasse, are now The composer and pianist Hermann Keller, who died in 2018, lived for many years in Prenzlauer Berg at Rykestraße 40 on the 3rd floor. The »Concerto for Piano and 13 Instrumentalists« is certainly one of his most important works of the last 20 years. In the recording, Hermann Keller himself plays the part of the solo piano.

In Scherzo I the piano dictates the rhythmic-sound pulse of the movement. Drum rhythms in the traditional dances of the Wapangwa, Rudewa District (Tanzania), are driving moments. Gradually the instrumental groups gain more and more space, expand their playing horizon. By and by, the original rhythm dissolves and the movement ends in free music-making without meter - according to Hermann Keller's dictum: "Whoever does not venture near the borders, whoever anxiously strives to remain in the center, will not find himself there, not in the center of himself, but thrown off somewhere to a random place."

Hermann Keller: Konzert für Klavier und 13 Instrumentalisten (2006), Scherzo I | for solo piano, ensemble (flute, oboe, clarinet, bassoon, trumpet, horn, trombone, 2 violins, viola, violoncello, double bass, percussion)

Hermann Keller was born in Zeitz (Saxony-Anhalt, Germany) in 1945. He took piano lessons from the age of six and started composing at the age of 14. From 1963 to 1968, he attended the Franz-Liszt-Hochschule Weimar, where he studied composition with Johann Cilenšek and piano with Ingeborg Herkomer. This was followed by an assistantship and a teaching position at the Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. From 1971, he played regularly with jazz musicians, drawing international acclaim with his Berlin Improvisation Quartet (or Trio). Many of his improvisation patterns and works with improvisation date from this period. From 1981, Hermann Keller worked as a freelance composer, pianist and improvisation musician. He taught music theory and improvisation at the Freie Musikschule Musikhaus e.V. in Berlin, which he co-founded in 1990. His compositions have been performed at Gewandhaus zu Leipzig, Künstlerhaus Boswil, Musikbiennale Berlin, Berliner Festwochen, Klangwerkstatt Mannheim, MDR Musiksommer, Ultraschall-Festival Berlin, Rheinsberger Musiktage and Forum neuer Musik des Deutschlandfunks. Interpreters of his works include the Sinfonieorchester Jena, Hallische Philharmonie, Ensemble Modern, Kammerensemble Neue Musik Berlin, ensemble mosaik, modern art sextet, Ensemble United Berlin and Ensemble Chronophonie as well as Heinz Holliger, Steffen Schleiermacher, Ingo Metzmacher and Vinko Globokar.

Hermann Keller died in Berlin in 2018. His complete works are published by Edition Juliane Klein, Berlin.


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